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LogSeq
LogSeq ist ein Open-Source-Notiz- und Organisationstool. Der Fokus des Tools liegt hierbei auf der Vernetzung von Daten und Informationen. Die Entwickler*innen des Tools verwenden hier den Begriff „Braindump“. Die Grundidee, welche gleichzeitig das zentrale Feature des Tools abbildet, ist, jegliche Informationen, Gedanken oder Aufgaben in LogSeq festzuhalten und durch Verlinkung/Vernetzung der einzelnen Informationen somit ein Netzwerk zu schaffen, welches die Übersicht verbessern und die Ideenfindung positiv beeinflussen soll. Der Leitgedanke ist hierbei: „Connect your notes, increase understanding“ (LOGSEQ, 2024).
Was will LogSeq sein?
Wie einleitend schon erwähnt, handelt es sich bei LogSeq um ein Notiz- und Organisationstool. Die Entwickler*innen bezeichnen LogSeq als „environment for thinking“ und vergleichen sich dabei mit dem Programm Excel, wobei Excel durch Zahlen wirkt und LogSeq durch Worte. In ihrer Dokumentation zu dem Tool geben die Entwickler*innen an, dass gerade für Beginner*innen die beiden Punkte Note-taking sowie Task-Management die zentralen Funktionen des Tools darstellen. Gleichzeitig zeigt die Dokumentation auch, dass es keinen festgelegten Workflow für LogSeq gibt. Man wird vielmehr dazu motiviert, das Tool entsprechend seinen eigenen Bedürfnissen zu formen und somit seinen eigenen Workflow zu gestalten. Hierbei schreibt sich LogSeq selbst auf die Fahne, den hierarchischen Gedankenprozess mit einzelnen festgelegten Ordnern aufzubrechen und durch ein Netzwerk von verknüpften Informationen unabhängig von der Herkunft der Informationen zu sein (vgl. Abb. 1).

Aber was ist LogSeq denn nun?
Zunächst einmal ist LogSeq kompliziert. Die Entwickler*innen räumen selbst ein: „It takes time to master this tool.“ Begründet wird dies mit dem bereits erwähnten Fehlen eines eigenen Workflows. Es stellen sich neuen Nutzer*innen des Tools zu Beginn zwei mögliche größere Hürden.
1. Markdown:
Im Gegensatz zu vielen herkömmlichen Textverarbeitungs- und Notizprogrammen verwendet LogSeq das Markdown-Format. Bei dem Markdown-Format handelt es sich um eine vereinfachte Auszeichnungssprache, die es ermöglicht, die Syntax und Formatierung des Textes durch Inline-Befehle zu gestalten (LIFEPARTICLE, 2024).
Obwohl Markdown mit Sicherheit ein immer häufiger zu findendes Format ist, welches sich besonders in wissenschaftlichen Kreisen mehr und mehr an Beliebtheit erfreut, stellt die veränderte Syntax von Markdown dennoch eine Hürde dar, die es zusätzlich zur eigentlichen Syntax von LogSeq zu überwinden gilt (siehe Tabelle 1).
Tabelle 1. Basic Markdown-Syntax
Art | Syntax |
Überschrift | # H1 ## H2 ### H3 |
Fett | **Fett** |
Kursive | *kursive* |
Sortiere Liste | 1. Apfel 2. Birne 3. Orange |
Unsortierte Liste | – Orange – Apfel – Birne |
Code | `code` |
Link | [title](https://[…].com) |
Image |  |
2. LogSeq Interface/Syntax:
LogSeq arbeitet mit einem minimalistischen User Interface. Dies ist Fluch und Segen zugleich. Der minimalistische Aspekt des Tools sorgt dafür, dass der Workflow (sobald er gefunden und etabliert ist) nicht durch die Suche nach Interface-Optionen oder Buttons unterbrochen wird. Gleichzeitig erhöht dies aber auch die Einarbeitungszeit und stellt eine größere Hürde dar, da viele Optionen und Funktionen versteckt oder nur durch Tastenkombinationen aufgerufen werden können. Hinzukommt, dass ähnlich wie im bereits erwähnten Markdown-Format Inline-Codierung und Syntax erforderlich sind, um eine Verlinkung oder andere LogSeq-Elemente anzulegen (vgl. Abb. 2).

Hat man diese beiden Hürden allerdings genommen und sich einen persönlichen Workflow angeeignet, werden die beiden erwähnten Hürden zu Stärken des Tools, die einen übersichtlichen und reibungslosen Arbeitsablauf ermöglichen.
Funktionen:
Die zentrale Funktion von LogSeq stellt laut den Entwickler*innen die Journale-Funktion dar. Hier kann datumsbezogen, ähnlich einem Tagebuch, alles notiert und festgehalten werden. Es können To-Do-Listen, Referenzen sowie Dateien und Abbildungen via Drag & Drop verankert werden. Gängige Dateiformate wie .pdf werden von LogSeq sogar innerhalb des Tools aufgerufen, was besonders bei der Literaturarbeit ein relevantes Feature darstellt. Hier zeigt sich dann sehr zügig die eigentliche Stärke von LogSeq (START HERE, 2024). Durch die bidirektionale Verlinkung von Elementen ist es hier möglich, dem Konzept des Braindumpings nachzukommen und mögliche Ideen und Konzepte direkt zu den dazugehörigen Elementen zuzuweisen (vgl. Abb. 3).

Besonders beeindruckend ist hierbei die Flexibilität des Tools. Es ist möglich, einzelne Nodes zu verlinken und diese wiederum in eine To-Do-Liste einzubinden. Ein To-Do-Prozess kann dann wiederum fließend in Aktiv und Inaktiv versetzt werden, und innerhalb des Doing-Prozesses können wieder Inhalte generiert und verlinkt werden. Dadurch entsteht ein Prozess, welcher am Ende je nach Nutzung eine Art interaktives und einfach nachvollziehbares Protokoll entstehen lässt.Weiterhin ist es möglich, alle Verlinkungen und Elemente in einer grafischen Darstellung sichtbar zu machen. Hier entsteht dann eine Art Netzdarstellung (vgl. Abb. 4).

Die Stärke dieser Art von Darstellung liegt darin, dass Netzwerke und Gedankenstrukturen visualisiert werden können und man ggf. durch visuelle Lücken auf neue Ideen stoßen kann. Allerdings erschließt sich mir die Nutzung hier nur in kleinem Rahmen, da die einzelnen Nodes zwar klickbar sind, aber sich nicht per Drag & Drop miteinander und zueinander verschieben lassen.
Weiterhin entsteht durch die Darstellung des Textes unterhalb der Nodes mit größer werdenden Netzwerken ziemlich schnell ein unübersichtliches Chaos von Linien und Punkten. Diesem Chaos kann man durch Herauszoomen zwar entgegenwirken, allerdings verschwinden damit dann auch die Beschriftungen der Nodes. Ein Hineinzoomen in größere Netzwerke ist hingegen leider nur begrenzt möglich, sodass man Teilbereiche eines Netzwerks nicht gesondert betrachten kann, ohne dabei von störenden anderen Nodes beeinträchtigt zu werden.
Abschließend bietet die grundlegende Vanilla-Version von LogSeq in der Toolbar noch das Tool für Karteikarten an. Dieses Tool erlaubt es, Inhalte in Karten zu verwandeln und diese dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzufragen, ähnlich wie beim Lernen von Vokabeln oder Ähnlichem. Hier erkenne ich persönlich für meine Zwecke wenig bis keinen Nutzen. Ich kann mir aber vorstellen, dass besonders Personen, die Dinge auswendig lernen müssen, hier einen großen Nutzen sehen, da sich die Karten wie alle anderen Elemente nahtlos in das Journal einpflegen und verlinken lassen.
But wait, there is more
Im obigen Absatz wurden in Kürze die Hauptfunktionen von LogSeq besprochen. Diese Funktionen lassen sich weiterhin durch Plugins mühelos erweitern und verändern. Hierdurch wird der zweite Punkt, der eigene Workflow, realisierbar. Dieser Punkt ist sehr beeindruckend, da durch die Community hinter LogSeq ein breit gefächertes Angebot an Plugins zur Verfügung gestellt wird, die in den meisten Fällen mit wenigen Klicks eingerichtet sind. Auch hier ensteht wieder die Situation , dass wenn man sich mit den verfügbaren PlugIns und der einbindung dieser durch die LogSeq eigene Syntax eingearbeitet hat ein personifizierter Workflow entstehen kann.
Für wen ist LogSeq ?
LogSeq eignet sich für all diejenigen, die dazu neigen, viele Ideen im Kopf zu haben und gleichzeitig das Problem haben, die Hälfte dieser Ideen wieder zu vergessen. LogSeq ist weiterhin für Personen geeignet, welche einen konstanten Arbeitsprozess anhand der Journale dokumentieren möchten und dabei alle notwendigen Dokumente und Informationen in einer Arbeitsumgebung zur Verfügung haben möchten (Literaturarbeit etc.). Obwohl LogSeq auch Task-Management in Form von To-Do-Listen ermöglicht, gibt es meiner Ansicht nach hier bessere Tools, wenn man LogSeq lediglich als Task-Organizer nutzen möchte. Allerdings gilt dies nur für die Vanilla-Version von LogSeq. Durch das Einspielen von Plugins wie Kanban oder GitHub lässt sich sicherlich ein Workflow etablieren, welcher auch dazu geeignet sein kann, den Arbeitsalltag und eingehende Tasks zu organisieren und automatisieren.
Für wen ist LogSeq nicht ?
Vor allem für Personen, die mit neuen Eingabemustern und neuen Syntax Schwierigkeiten haben oder durch diese demotiviert werden. Weiterhin ist die neue Form der Übersicht, die LogSeq anbietet, Geschmacks- bzw. Gewöhnungssache und sicherlich nicht für jede Person geeignet. Abschließend eignet sich LogSeq nicht für Personen, die ein fertiges Tool „out of the box“ erwarten.
Fazit und where to start
Alles in allem war LogSeq für mich persönlich eine Achterbahnfahrt. Zu Beginn war ich neugierig, da die Entwickler*innen in ihrer Dokumentation und auf ihrer Website Dinge ansprachen und Features offenbarten, die mich sehr ansprachen. Allerdings war ich dann durch das meiner Meinung nach immer noch schwache User Interface und die doch sehr steile Lernkurve für einige Zeit abgeschreckt und teilweise sogar von LogSeq genervt. Besonders störend empfand und empfinde ich bis heute die Graph-Ansicht, da diese auf mich nur verwirrend wirkt. Doch nach einer gewissen Einarbeitungsphase konnte LogSeq mich mehr und mehr begeistern. Nachdem ich verstanden habe, was LogSeq sein will und was es nicht sein kann, wurden mir die Prozesse klarer und ich konnte bereits in den ersten neuen Testdokumenten eine Art möglichen Workflows etablieren. Der Plugin Marketplace ist hierbei besonders hervorzuheben und gibt dem ganzen Tool nochmal eine neue Dimension und Tiefe. Für alle Personen, die sich für LogSeq interessieren, empfehle ich aber dringend, sich zunächst mit der Dokumentation des Tools vertraut zu machen oder eine Guided Tour auf YouTube in Betracht zu ziehen. Ein simples Hands-On-Prinzip wird hier leider vermisst, und obwohl es sicherlich einigen Personen gelingen wird, sich direkt mit dem Tool zurechtzufinden, kann durch die Betrachtung der Dokumentation oder Ähnlichem verhindert werden, dass relevante Features übersehen werden.
Abbildungsverzeichniss:
Abbildung 1: Start here [online], (2024). docs.logseq.com. [Zugriff am 11. November 2024]. Verfügbar unter: https://docs.logseq.com/#/page/start%20here
Abbildung 2 : SM26, (2023). My own cheatsheet [online]. discuss.logseq.com. [Zugriff am 11. November 2024]. Verfügbar unter: https://discuss.logseq.com/t/my-own-cheatsheet/23795
Abbildung 3 : Screenshot LogSeq Journal Funktion | Quelle: eigene Darstellung
Abbildung 4 Screenshot LogSeq Graph Funkion und Netzwerdarstellung | Quelle: eigene Darstellung
Quellenverzeichniss :
lifeparticle, (2024). GitHub – lifeparticle/markdown-cheatsheet: the ultimate markdown cheatsheet [online]. GitHub. [Zugriff am 1. September 2024]. Verfügbar unter: https://github.com/lifeparticle/Markdown-Cheatsheet
Cone, M., (2024). Markdown cheat sheet | markdown guide [online]. Markdown Guide. [Zugriff am 11. November 2024]. Verfügbar unter: https://www.markdownguide.org/cheat-sheet/
logseq .A privacy-first, open-source knowledge base. logseq [online]. 04.11.2024 [Zugriff am: 04.11.2024]. Verfügbar unter: https://logseq.com/
Start here [online], (2024). docs.logseq.com. [Zugriff am 11. November 2024]. Verfügbar unter: https://docs.logseq.com/#/page/start%20here

INHALT:
- LogSeq
- Was will LogSeq sein?
- Was ist LogSeq?
- Funktionen
- There is More
- Für wen ist LogSeq ?
- Für wen ist LogSeq nicht ?
- Fazit und where to start
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